Dysgnathien – Kieferfehlstellungen

Die im folgenden aufgeführten Fehlbisse (Dysgnathien) können isoliert oder in Kombination miteinander auftreten.


Regelbiss

Im Regelbiss (Neutralbiss, Angle Klasse I) sind die Zähne gut miteinander verzahnt, die Unterkieferzähne beißen nur 1-2mm hinter die Oberkieferzähne. Alle Zähne haben miteinander Kontakt. Der Regelbiss kann mit einem Engstand, mit Lücken* oder einer Protrusion* der Zähne verbunden sein.

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Rückbiss

Der Rückbiss (Distalbiss, Angle Klasse II) ist die häufigste Form des Fehlbisses. Bei einem Rückbiss liegt der Unterkiefer zu weit hinten, es entsteht eine große Stufe zwischen den Schneidezähnen.

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Mögliche Folgen

  • Tiefer Biss: Die Unterkiefer-Schneidezähne wachsen in den Gaumen und verletzen die Gaumenschleimhaut.
  • Verletzung: Das Verletzungsrisiko für die Schneidezähne (z.B. beim Sport) ist sehr groß, da die Lippe nicht mehr schützend über den Zähnen liegt und die Unterkieferzähne nicht zusätzlich abstützen können.
  • Engstand: Die Zahnbögen kollabieren, weil Sie nicht miteinander abgestützt sind.
  • Zwangsbiss/Kiefergelenk: Durch den Engstand oder durch verschachtelt stehende Zähne kann das Kiefergelenk zu stark belastet werden. Es kommt zum Knacken oder zu der gefürchteten Kieferklemme oder –sperre mit erheblichen Schmerzen.
  • Abnutzung der Zähne: Da die Zähne nicht sauber ineinander greifen, findet eine übermäßige Abnutzung der Zähne statt. Es ist nicht unüblich, das man bei jungen Erwachsenen stark abgekaute Zahnkronen sieht.

Deckbiss

Der Deckbiss (Angle Klasse II, Div. 2) ist eine spezielle Form des Rückbisses. Beim Deckbiss kippen typischerweise ein Teil der Oberkiefer – Frontzähne nach hinten und der andere Teil nach vorne.

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Vorbiss

Der Vorbiss ist eine etwas seltenere Form des Fehlbisses. Hier beißt der zu weit Unterkiefer vor den Oberkiefer. Manchmal beißen hier die Schneidezähne mit den Kanten aufeinander oder sogar im sog. Kreuzbiss umgekehrt hintereinander.

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Kreuzbiss

Bei einem seitlichen Kreuzbiss beißen die Unterkieferbackenzähne über die Oberkieferbackenzähne. Der Kreuzbiss kann einseitig oder auch auf beiden Seiten vorkommen, oder sogar an den Frontzähnen (siehe Vorbiss).

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Mögliche Folgen

  • Schiefes Gesicht: Ein einseitiger Kreuzbiss führt unbehandelt über die Jahre zu einer wachstumsbedingten Abweichung des Unterkiefers zur Kreuzbissseite hin. Die Zahnbogenmitten weichen voneinander ab.
  • Abnutzung der Zähne: Da die Zähne nicht sauber ineinander greifen, findet eine übermäßige Abnutzung der Zähne statt. Es ist nicht unüblich, das man bei jungen Erwachsenen stark abgekaute Zahnkronen sieht.
  • Zwangsbiss/Kiefergelenk: Durch den einseitigen Kreuzbiss wird der Unterkiefer gezwungen, in eine Richtung zu beißen. Das kann zu einer Überbelastung des entsprechenden oder des gegenüberliegenden Kiefergelenkes führen (z.B. Hypermobilität), es kommt zum Knacken oder zu erheblichen Schmerzen.

Offener Biss

Bei einem offenen Biss in der Front haben die Schneidezähne selbst im zusammengebissenen Zustand keinen Kontakt zueinander. Bei extremen Formen berühren sich nur die hintersten Backenzähne beim Beißen.

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Mögliche Folgen

  • Langes Untergesicht: Durch das vertikale Wachstum des unterkiefers kann es zu einem lang erscheinenden Gesicht kommen.
  • Abnutzung der Zähne: Da nur wenige Zähne Kontakt zueinander haben, findet eine übermäßige Abnutzung dieser Zähne statt. Es ist nicht unüblich, das man bei jungen Erwachsenen stark abgekaute Zahnkronen sieht.
  • Kiefergelenkbeschwerden: Dadurch, dass nur wenige Zähne am Kauen teilnehmen, muss das Kiefergelenk sehr viel Kaukräfte abfangen. Es kommt bei unbehandelten offenen Bissen sehr häufig zu Kiefergelenkbeschwerden.
  • Keine Abbeißfunktion: Das Abbeißen z.B. eines Salatblattes oder einer dünnen Scheibe Schinken ist diesen Patienten nicht möglich. Die Kauleistung ist erheblich herabgesetzt.

Protrusion

Die bialveoläre Protrusion beschreibt das „Herauskippen“ der Frontzähne nach vorne. Hier müssen entweder die Backenzähne nach hinten bewegt werden um die Frontzähne zurück in den Kieferknochenzu bekommen, oder sogar gesunde Zähne gezogen werden. Im Erwachsenenalter beginnt diese Zahnbewegung häufig plötzlich bei einer Parodontitis (Entzündung des Zahnfleisches mit Knochenrückgang).

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Mögliche Folgen

  • Lücken: Es kommt oft zu Lückenbildung in den Zahnreihen. Zannfleischrückgang: Da die Zähne aus dem Knochen herauswandern, kommt es mit den Jahren zu sehr ausgeprägtem Zahnfleischrückgang.

Engstand

Bei einem Engstand verschachteln sich die Frontzähne ineinander, teilweise so erheblich, das Zähne fast hinereinander stehen.

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Mögliche Folgen

  • Erhöhte Kariesbildung: Da die Zähne nur sehr schlecht gepflegt werden können, kommt es sehr häufig zu Karies oder zumindest Zahnfleischentzündungen und Verfärbungen der Zähne.
  • Zahnfleischrückgang: Da die Zähne aus dem Knochen herauswandern, kommt es mit den Jahren an einzelnen Zähnen zu sehr ausgeprägtem Zahnfleischrückgang.
  • Abnutzung der Zähne: Da die Zähne nicht sauber ineinander greifen, findet eine übermäßige Abnutzung der Zähne statt.

Lücken

Lückige Zähne beeinträchtigen das Aussehen oft erheblich. Lücken durch Zahnverlust sollten schnell mit einer Brücke oder einem Implantat versorgt werden, da die Nachbarzähne in die Lücke hineinkippen und eine weitere zahnärztliche Versorgung dann nicht mehr ohne vorherige kieferorthopädische Lückenöffnung möglich machen.

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Mögliche Folgen

  • Zahnwanderung: Es kann eine unkontrollierte Wanderung der Zähne stattfinden, da die Zähne nicht miteinander abgestützt sind.
  • Zahnfleischrückgang: Da die Zähne aus dem Knochen herauswandern, kommt es mit den Jahren an einzelnen Zähnen zu sehr ausgeprägtem Zahnfleischrückgang.
  • Abnutzung der Zähne: Wenn die Zähne durch Lücken nicht sauber ineinander greifen, kann es zu übermäßiger Abnutzung der Zähne kommen.
  • Seitenzahnlücken: Diese können unversorgt zu einer erheblichen Verlängerung des Gegenzahnes führen, der dann den Biss beeinträchtigt.